Der Gründungs-Brief
Warum ich mir mein Schreibstudio selbst bauen musste.
Stand: 9. August 2026
Ich habe mein Leben lang mit den Augen gearbeitet. Formeln, Messkurven, Moleküle — drei Berufe, alle für Menschen gemacht, die gut sehen.
Dann kam die Diagnose: Usher-Syndrom Typ 2A, Retinitis Pigmentosa. Mein Sehfeld schließt sich, unumkehrbar. Man erlebt das nicht als einen einzigen Moment. Es ist eine lange Reihe von Abschieden: das Kleingedruckte. Die Gesichter am anderen Ende des Tisches. Die Menüleiste oben links.
Ich wollte schreiben. Geschichten, die sich seit Jahren in mir stapelten. Aber jedes Schreibprogramm, das ich öffnete, war ein Raum voller Möbel, die man sehen muss, um nicht zu stolpern. Menüs, Paletten, Mauszeiger — alles für Augen gebaut.
Also habe ich angefangen, mir mein eigenes Werkzeug zu bauen. Nachts, wenn die Augen ohnehin nichts mehr taugten. Mit Sprachausgabe, und mit mehr Sturheit als Plan.
Neun Monate später kann ich meinem Mac sagen: „Schreib weiter" — und er tut es. Er liest mir vor, was entstanden ist. Und wenn das Buch fertig ist, macht er daraus alles auf einmal: das druckfertige PDF, das eBook, das Hörbuch — und die Braille-Fassung, die ich eines Tages selbst brauchen werde.
Das ist Lunaver. Es ist keine App über Barrierefreiheit. Es ist eine App, die davon ausgeht, dass Autoren Ohren haben. Sie ist gratis, sie arbeitet lokal auf deinem Mac, und sie verlangt kein Konto.
Für alle, die mit den großen Cloud-KI-Modellen arbeiten wollen, habe ich Lunaver Studio gebaut: dieselbe Zugänglichkeit, mit deinen eigenen Schlüsseln, serverlos, als Einmalkauf. Seit dem 10. August 2026 ist es im Mac App Store erhältlich.
Ich bin ein Autor, der sein Augenlicht verliert — aber ich bin nur einer. Wenn du blind oder sehbehindert bist und schreiben willst; wenn du VoiceOver besser kennst als ich; wenn du als Selfpublisher weißt, woran Werkzeuge scheitern: Ich lade dich in den Beta-Kreis ein. Du hörst neue Funktionen früh, und deine Rückmeldung entscheidet mit, was als Nächstes gebaut wird. Der Beta-Kreis öffnet in Kürze — die Einladung erscheint an dieser Stelle.
Ich verspreche keine Wunder. Ich verspreche, zuzuhören — und weiterzubauen.
Und falls du jemanden kennst, der schreiben will und nicht mehr gut sieht: Sag ihm, dass es jetzt geht.
— Klaus
Dr. Klaus Weber, Physiker und Autor
← ZURÜCK